„Die Schülerfirma hat den Grundstein für meine unternehmerische Laufbahn gelegt!“

Sebastian Brost war während seiner Schulzeit von 2001 bis 2005 in der Schülerfirma SUHHM S-AG in Hohenmölsen tätig. Das Gründerteam war spezialisiert auf die Erstellung von Multimedia CD´s und die Erstellung von Webseiten. Er selbst engagierte sich zunächst in der Abteilung Internet/Medien und übernahm später Verantwortung als Vorstandsvorsitzender der Schülerfirma.

Heute ist er Geschäftsführer des Unternehmens nativDigital mit Sitz in Hamburg und zusammen mit seinem Team berät und unterstütz er Unternehmen auf Ihrem Weg in die neue Arbeitswelt.  

Was machst du jetzt beruflich und welche Rolle spielt dabei rückblickend die Schülerfirma in deiner Biografie?        

Ich bin Mitbegründer von nativDigital. Wir sind eine Digitalberatung und helfen Unternehmen auf Ihrem Weg in die neue Arbeitswelt.  Vorher war ich mit Mitte 20 Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und hatte Verantwortung für über 100 Projektmitarbeiter. Meine unternehmerischen Aktivitäten fingen in der Schule an und begleiteten mich über verschiedene Unternehmensgründungen während und nach dem Studium bis heute.  (Siehe auch "Fünf Learnings aus der Schülerfirmenzeit")

Einfach gesagt: die Tätigkeit in der Schülerfirma hat den Grundstein für meine unternehmerische Laufbahn gelegt! Sie hat meine Studienwahl mitbestimmt, dafür gesorgt, dass ich während des Studiums erstmals gründete, frühzeitig Geschäftsführer wurde und dass ich nun die Digitalisierung vorantreiben kann.  

Welche Erfahrungen, die du damals in der Schülerfirmenarbeit gemacht hast, haben deine Entscheidung befördert, später selbst ein Unternehmen zu gründen?

Kinder von Unternehmern kommen frühzeitig mit dem Beruf der Eltern in Kontakt, sei es das Gespräch beim gemeinsamen Abendbrot oder durch das Netzwerk der Eltern. So können sie sich früh selbst ein Bild machen. Gerade hier können Schülerfirmen eine großartige Möglichkeit sein, viel mehr Jugendlichen Zugang zu einer unternehmerischen Erfahrung zu gehen.  

Mein Vater war Soldat, meine Mutter Lehrerin - ohne die Schülerfirma, wäre ich wahrscheinlich Arzt geworden. Heute helfen wir einem Unternehmen aus der Medizintechnik durch Digitalisierung mehr Menschen helfen zu können. Ohne die Schülerfirma hätte ich vielleicht gar nicht gewusst, dass ich Lust darauf hätte und dass ich das gut kann.  

Ich bin davon überzeugt, dass Schülerfirmen eine großartige Möglichkeit sind und nicht nur Wirtschafts- und unternehmerische Kompetenz vermitteln, sondern auch Werte und Haltungen.  

Wenn ich so zurückblicke hatte ich sicherlich auch jede Menge Glück, dass ich die Erfahrung machen durfte: Die Unterstützung der Schule, der Lehrer, der Eltern, ein strukturiertes Programm und entsprechende Begleitung.   

Leider liegt Deutschland bezüglich der Gründungsquote im internationalen Vergleich nur auf Platz 28. Also sollten wir weitermachen und frühzeitig unternehmerische Kompetenz fördern.

Wie können Schülerfirmen aus deiner Sicht dazu beitragen, nicht nur das Interesse an einer unternehmerischen Selbständigkeit wecken, sondern auch Schülerinnen und Schüler auf die moderne Arbeitswelt vorzubereiten?

Wir leben in einer Welt, in der wir zusammen komplexe Herausforderung lösen, Entscheidungen unter Unsicherheit treffen und in der sich die Rahmenbedingungen ständig ändern. Themen der neuen Arbeitswelt sind z.B, die Frage nach der Zusammenarbeit, Führung und Führungskultur und die Demokratisierung von Wissen. Diese Bedingungen und Themen können mit einem Schülerfirmenprojekt erlebbar gemacht werden: Zusammen ein Produkt entwickeln und an den Markt gehen, auch eine Rückmeldung vom Markt zu bekommen, ob das Produkt gut ankommt oder nicht. Das ist im regulären Schulalltag so nicht möglich. Daran sollte man anknüpfen. Zudem reicht es heutzutage nicht mehr aus effizient zu sein, da die überwiegend gesättigten Märkte innovative Ideen fordern. Das verlangt Kreativität und Freiraum und das sind alles Kompetenzen, die in einer Schülerfirma vermittelt, erlebbar gemacht und gefördert werden. Eine Schülerfirma bietet den Kindern und Jugendlichen für die Arbeitswelt von morgen Orientierung und eine Vision.

Die frühzeitige Förderung von unternehmerischen Kompetenzen ist ein wichtiges Anliegen für dich. Welche konkreten Ansatzpunkte siehst du dafür?

Die Themen Bildung und Digitalisierung der Bildung liegen mir sehr am Herzen. Ich sehe verschiedene Ansatzpunkte:

  • Schulen sollten die Voraussetzungen haben, damit im Rahmen einer Schülerfirma etwas entwickelt werden kann. Das umfasst nicht nur die technische Seite, sondern auch die organisatorische und die Digitalkompetenz. Schulen sollten weiter gefördert, Lehrer und Eltern ermutigt und begleitet werden.  Jede Schule sollte aus meiner Sicht die Chance haben, eine Schülerfirma zu gründen.
  • Die künftigen Herausforderungen, die wir als Unternehmer lösen müssen, machen nicht vor Ländergrenzen halt, daher sollte es intensive Netzwerke und Kooperation deutschlandweit und international geben.  
  • Auch die lokalen Unternehmen sollten Verantwortung übernehmen und sich mit und für Schülerunternehmen engagieren.  
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Interview mit Sebastian Brost